„Krieg ist schwachsinnig und unmenschlich“
 
Karlsruher Schüler bei der Gedenkfeier in Verdun / Teil einer großen Schlöndorff-Choreografie / Freundschaft zu den Franzosen im Vordergrund
 
„Angela Merkel hat uns sogar zugewunken“

 

 

Von unserer Mitarbeiterin Martina Erhard
 
Genau 100 Jahre ist es nun her, dass die Schlacht von Verdun Europa erschütterte: Innerhalb weniger Monate verloren damals – im Jahr 1916 – rund 300 000 deutsche und französische Soldaten ihr Leben. Bei der Gedenkfeier in Verdun, bei der am Sonntag an die Opfer erinnert wurde, waren auch Schüler aus Karlsruhe anwesend.
Sie gehörten zu den rund 4 000 Jugendlichen aus Deutschland und Frankreich, die unter der Leitung des Regisseurs Volker Schlöndorff an einer Gemeinschaftschoreografie teilnahmen. „Man ehrt die Gefallenen und ist bei etwas Großem dabei“, sagt Hannah Roth. Die Neuntklässlerin der Realschule Rüppurr war zusammen mit neun Mitschülerinnen und ihrer Lehrerin Claudia Schestak in Verdun.
„In Verdun habe ich zum ersten Mal einen Soldatenfriedhof gesehen. Es war überwältigend und erschreckend“, erzählt sie und berichtet, dass im Rahmenprogramm zur Gedenkfeier Workshops veranstaltet wurden, in denen die Jugendlichen – zusammen mit französischen Schülern – Briefe von Frontsoldaten gelesen haben.
„Wir haben dabei erfahren, was die alles mitmachen mussten. Da bekommt man richtig Mitleid, weil sie so früh sterben mussten und nichts von ihrem Leben hatten“, meint die Schülerin.
John Simmonds, ebenfalls Schüler der Realschule Rüppurr, erinnert sich nach dem viertägigen Aufenthalt in Verdun, vor allem an die Soldatenbriefe: „Es war schon erschreckend zu lesen, was die Soldaten an ihre Familien geschrieben haben“, erzählt er. „Wer durchkommt, hat Glück“, habe einer geschrieben. Von einem anderen wisse er, dass dieser einen Tag nach dem Verfassen des Briefes gefallen sei.
In besonders schöner Erinnerung bleibt ihm der Kontakt zu den französischen Schülern: „Wir haben uns alle gut verstanden, und viele haben am Ende Telefonnummern ausgetauscht“, sagt John. Gleich nach seiner Rückkehr aus Frankreich schaute er sich übrigens die Aufzeichnung der Gedenkfeier an, denn „wenn man ein kleiner Teil der Choreografie ist, merkt man gar nicht, wie das alles nach außen wirkt“, erklärt er. „Es war schon beeindruckend“. Mihriban Sol und Coral Ventura gehörten zur 14-köpfigen Gruppe von Neuntklässlern aus der Ernst-Reuter-Schule, die mit ihrem Lehrer Axel Goerke in Verdun dabei waren.
Die Gemeinschaftschoreografie sei toll gewesen, meint Coral. „Ich hatte Glück und war in einer der ersten Reihen, also ganz nah an Frau Merkel und Herrn Hollande dran“, so die Schülerin. „Angela Merkel hat uns sogar freundlich zugewunken.“
Geschockt seien allerdings alle gewesen, als sie erstmals die riesigen Gräberfelder gesehen hätten. „Danach war es ganz ruhig im Bus“, sagt sie. „Alle haben sich Gedanken darüber gemacht, wie es für die jungen Männer damals gewesen sein muss“, meint Coral. „Krieg ist schwachsinnig und unmenschlich, und so etwas darf nie mehr passieren“, so ihr Fazit.
„Als wir ankamen, sind uns erst einmal die riesigen Zelte aufgefallen, in denen wir untergebracht waren“, erinnert sich Mihriban. „Wir mussten unsere Schlafsäcke mitbringen und haben auf Feldbetten geschlafen. Das war eigentlich ganz gut“, erzählt sie.
Die Choreografie sei nicht sehr kompliziert gewesen, daher hätten sie alles schnell gelernt. „Die französischen Schüler haben uns auch dabei unterstützt“, sagt Mihriban und gibt zu, dass es anfangs schon etwas unangenehm gewesen sei, an dem Ort zu sein, an dem vor 100 Jahren so viele Menschen gestorben sind. „Aber wir haben ja dort keine Party veranstaltet, sondern an die Toten erinnert.“ In Erinnerung bleiben wird ihr vor allem das freundliche Miteinander mit den französischen Schülern: „Das Verbindende stand die ganze Zeit im Vordergrund.“
So sehen das alle Schüler und Lehrer, auch wenn es während der vier Tage einige organisatorische Probleme gab: „Wäh-rend der Proben hat es heftig geregnet, und wir mussten oft stundenlang in der Nässe und im Schlamm stehen“, so die einstimmigen Berichte der Beteiligten.
Und auch wenn die Essensversorgung und die Versorgung mit warmem Wasser für die Duschen nicht wirklich gut funktionierten, so ziehen nach den vier Tagen in Verdun doch alle ein positives Fazit: „Es war toll, dass wir dabei sein durften.“