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„Auch Wasserski funktioniert“

Schüler probieren gemeinsam mit beinamputierten Besuchern Sportarten aus

 

Von unserem Redaktionsmitglied Kirsten Etzold

Die Kinder quietschen um die Wette und recken eifrig die Arme in die Höhe, als Diana Schütz den Ball ins Feld spielt. Wehe, die bunte Kugel berührt den Boden – das gibt einen Punkt für die Gegner! Jungen und Mädchen einer fünften Klasse der Realschule Rüppurr sitzen bunt gemischt im abgegrenzten Kleinfeld auf dem Sporthallenboden, zwischen den Teams markiert ein quer gespanntes Band das „Netz“. Der Sportlehrer Felix Hellinger und der Rennrollstuhlfahrer Olaf Heine sitzen im selben Feld wie Diana Schütz. Die Sportbegeisterung der 41-Jährigen ist ansteckend und nicht dadurch geschmälert, dass sie seit ihrem achten Lebensjahr mit einer Beinprothese lebt.

Der Referendar Hellinger hat die außergewöhnliche Sportstunde mit Schütz organisiert. Sie koordiniert beim Verein „Anpfiff ins Leben – Inklusion durch Sport “ Sportprojekte für Menschen mit einer Amputation. Heute zeigt und erklärt sie gemeinsam mit Heine, wie sogar Leistungssport mit einer körperlichen Behinderung klappt. „Ich habe auch schon Wasserski ausprobiert – es funktioniert“, erzählt die schlanke blonde Frau den Kindern. Ihre Carbon-Prothese hat sie in der Gesprächsrunde vor dem Sitzballspiel herumgereicht. „Ich habe den Eindruck, dass das Projekt sehr gewinnbringend für die Schüler ist und Behindertensport in ihren Augen nun ein Stück weit normaler ist“, sagt Hellinger, der neben Sport auch Mathematik und Biologie unterrichtet.

Heine, Jahrgang 1961, verlor vor 14 Jahren bei einem Arbeitsunfall ein Bein. Inzwischen trainiert er sechsmal pro Woche wie ein Rennradfahrer: auf der Straße. Seinen Spezialrollstuhl hat er in die Sporthalle mitgebracht, zwei Treppenstufen rollt er in gekonnter Balance im Nu allein hinab. „Jüngere Kinder fragen einfach: Wie ist das passiert?“, berichtet Heine. Davon könnten Erwachsene viel lernen, sagt er den Fünftklässlern. Oft höre er den Satz: „Der hat ja gar kein Bein!“ Dann antworte er: „Doch, eins hab’ ich noch.“ Und Ehrgeiz sowieso: Sein jüngster großer Erfolg ist der dritte Platz beim Bergzeitfahren der Deutschen Handbike-Meisterschaft. Die Schüler fragen Heine auch nach seinem Alltag: „Ist es schwierig, mit nur einem Bein durchs Leben zu kommen?“

Greifbar wird „Sport mit Handicap“ nicht nur durch die gemeinsame Sportstunde. Die Schüler entwerfen einen Rollstuhlparcours und erfinden einen klappernden Ball samt Zeichensprache für gehörlose Spieler. Auch ein Biathlon für Blinde bringt eine neue Wahrnehmung. Zuletzt stellt die Klasse die Ergebnisse Mitschülern vor. „So kann eine weitere Klasse unserer Schule von den Erfahrungen profitieren“, sagt Hellinger. „Spannend fände ich, das Projekt noch mit einer höheren Jahrgangsstufe auszuprobieren. Die Ideen und die Umsetzungsmöglichkeiten können altersabhängig sehr unterschiedlich sein.“

Kontakt

Diana Schütz vom Verein „Anpfiff ins Leben – Inklusion durch Sport “ ist per Telefon unter (0 62 27) 3 58 16 55 02 erreichbar. Weitere Informationen unter www.anpfiff-ins-leben.de im Internet.